Ausstellungsvorschau

Erworben aus „jüdischem Vermögen“ – Grafische Blätter der Sammlung Haymann

16. April - 3. Juli 2016

Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe kauft 75 Blatt expressionistische Druckgrafik in acht Mappenwerken und ein Kunstbuch von Rinah Alexander Lior aus Israel zurück. Sie ist die Nichte und rechtmäßige Erbin des jüdischen Arztes Dr. Hermann Haymann aus Badenweiler, dem dieser Kunstwerke einst gehörten.

Die Kunsthalle hat im Jahr 1943 ein großes Konvolut von Büchern und Grafikmappen vom Finanzamt Müllheim erworben. Haymann musste diese Papierarbeiten 1938 verpfänden, um mit dem Erlös die Judenvermögensabgabe und die bei seiner Ausreise aus Deutschland in die USA obligatorisch zu leistende Reichsfluchtsteuer zu begleichen. Nach dem Krieg wurde diese Erwerbung ordnungsgemäß bei der US-amerikanischen Militärregierung als Ankauf aus „jüdischem Vermögen“ gemeldet und die Kunstwerke 1951 an Hermann Haymannzurückgegeben. Im Rahmen der Provenienzforschung wurden acht Grafikmappen und ein Kunstbuch gefunden, die damals offenbar vergessen wurden. Nach Ermittlung der rechtmäßigen Eigentümerin werden sie nun von der Kunsthalle gekauft. Diesem besonderen Sammlungszugang wird vom 15. April bis 30. Juni 2016 eine Ausstellung gewidmet, um die Erinnerung an Herrmann Haymann und das Schicksal der Juden in Baden-Württemberg zu wahren.

Walter Gramatté (1897-1929), Lauschende, Lithografie, in: Erste Jahresgabe des Kreises grafischer Künstler und Sammler, 1921

DOUBLE VISION

Albrecht Dürer & William Kentridge

10. September 2016 – 08. Januar 2017

Albrecht Dürer (1471-1529) und William Kentridge (geb. 1955) – der deutsche Renaissancekünstler und der global tätige Gegenwartskünstler mit südafrikanischen Wurzeln – begegnen sich im Medium der schwarz-weißen Druckgrafik, das sie auf vielfältige Weise ausloten. Über die epochalen und kulturellen Unterschiede hinweg werden zwei Visionen von druckgrafischer Kunst in einen dynamischen Dialog versetzt. Die besondere Ausdruckskraft ihrer Bilder wird im Vergleich unterschiedlicher Druckverfahren wie Holz- und Linolschnitt, Lithographie und Radierung sichtbar. Eine wesentliche Grundlage bildet dabei der umfangreiche Bestand an Druckgraphik von Albrecht Dürer im Kupferstichkabinett der Kunsthalle.
DOUBLE VISION ist eine Kooperation des Kupferstichkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin mit der Kolleg-Forschergruppe BildEvidenz der Freien Universität Berlin und der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Parallel zur Ausstellung DOUBLE VISION zeigt das ZKM l Karlsruhe die Projektion More Sweetly Play the Dance von William Kentridge aus dem Jahr 2015.

Albrecht Dürer: Die Buße des Hl. Johannes Chrysostomus, um 1496. Kupferstich. © bpk / Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinet / Volker-H. Schneider
William Kentridge: Remembering The Treason Trial, 2013. Lithographie. © William Kentridge

Black and White

Begleitprojekt zu DOUBLE VISION Albrecht Dürer & William Kentridge

10. September 2016 – 08. Januar 2017

JUNGE KUNSTHALLE

Ausgehend von der Präsentation im Hauptgebäude beleuchtet die Begleitausstellung in der Jungen Kunsthalle nicht nur die beiden Künstler als herausragende Persönlichkeiten ihrer Epoche, sondern auch die Entwicklung der druckgraphischen Techniken und die daraus resultierenden Möglichkeiten. Albrecht Dürer und William Kentridge verbindet sowohl das Medium der schwarz-weißen Druckgraphik wie auch das Interesse an ihrer Zeit, die sie in ihrem Werk reflektieren. In den Werkstätten laden verschiedene Drucktechniken zum Ausprobieren ein. Das Angebot ist für alle Altersgruppen und Schularten geeignet.

Albrecht Dürer: Rhinozeros, 1515, Holzschnitt © bpk / Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

CÉZANNE
Metamorphosen

Große Sonderausstellung des Landes Baden-Württemberg
28. Oktober 2017 – 11. Februar 2018

Nach der erfolgreichen Ausstellung Degas. Klassik und Experiment von 2014/15 nimmt diese Ausstellung das Werk seines bedeutenden Zeitgenossen Paul Cézanne (1839–1906) in den Blick. Cézanne gilt auf Grund seiner Tendenz zur Abstraktion der Bildelemente als Wegbereiter der modernen Malerei. Die Ausstellung erweitert diesen Ansatz: Sie deutet Cézannes Kunst aus einer produktiven Spannung, in der innovative Bildverfahren ebenso wirksam werden wie die kreative Aneignung von Bildern der Kunstgeschichte. Die Karlsruher Ausstellung ist daher bewusst nicht als Retrospektive chronologisch angelegt, sondern als Themenausstellung, die eine neue Perspektive auf das scheinbar so gut bekannte Werk des Künstlers eröffnet. mehr

Paul Cézanne, Blick auf das Meer bei L'Estaque, 1883-1885 © bpk / Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
 
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