Dr. Astrid Reuter, 18. Februar 2022

Künstlerinnen der Kunsthallen-Sammlung – meine persönliche Top 10 + 1

Heute sind Frauen aus dem Kunstbetrieb nicht wegzudenken. Doch auf wessen Schultern stehen sie?

Schaut man in die Sammlung der Karlsruher Kunsthalle, so erscheint die Zahl der Künstlerinnen im Vergleich zu den zahlreichen männlichen Namen bescheiden. Aber es gibt sie durchaus und es werden mehr. Erst kürzlich gelang die Erwerbung eines Selbstbildnisses der französischen Künstlerin Marie Guilhelmine Benoist (1768–1826), in dem sich biographischer und gesellschaftspolitischer Wandel in unerwarteter Weise verbinden.

Der bildlich thematisierte Atelierwechsel der jungen Künstlerin – von Elisabeth Vigée-Lebruns als Vertreterin des Ancien Régîme zu Jacques-Louis David, dem zukünftigen Maler Napoleons – wird zum Zeichen für den Umbruch vom Rokoko zum Klassizismus.

Die hier vorgestellte Auswahl von zehn Frauen ist nicht repräsentativ. Sie spiegelt persönliche Entdeckungen, Interessen und Vorlieben.

Von der Schönheit der Welt: Clara Peeters

(Antwerpen um 1588/90 – nach 1821 Antwerpen)

Prachtvolle Gegenstände, kulinarische Köstlichkeiten und exotische Raritäten – die Stillleben der flämischen Malerin Clara Peeters verstehen, den Blick zu fesseln. Es ist die Freude an ausgesuchten Details, die aus der Betrachtung ein Erlebnis werden lässt. Die Natur und die Dinge wetteifern ungeachtet ihrer Vergänglichkeit um die Aufmerksamkeit. Allein die Kunst sichert die Langlebigkeit. Sie triumphiert und mit ihr die Malerin, die sich in den kugelförmigen Buckeln des Pokals vielfach spiegelt. Clara Peeters, die Anfang des 17. Jahrhunderts in der prosperierenden Stadt Antwerpen arbeitete, gehört zu den frühen Stilllebenmalerinnen.

Abbildung des Gemäldes Stilleben mit Blumen und Goldpokalen von Clara Peeters. Es zeigt zwei Goldpokale und eine Vase mit Blumen auf einem Tisch.

Bildnisse, so zart wie Puder: Rosalba Carriera

(Venedig 1675 – 1757 Venedig)

Das Pastell galt lange Zeit als weibliche Technik und wird verschiedentlich auch heute noch als eine solche bezeichnet. Zu denjenigen, die der subtilen Kunst zu einer Blüte verhalfen, gehörte die Venezianerin Rosalba Carriera. Während ihres Parisaufenthaltes 1721 leitete sie dort eine regelrechte „Pastellmode“ ein. Vor allem Bildnisse wurden in Pastell ausgeführt, da die samtige Oberfläche der Beschaffenheit der Haut besonders nahekommt. Die fragile Technik barg jedoch auch Gefahren. Unachtsame Berührungen oder Erschütterungen konnten die Kreideoberflächen nachhaltig beschädigen. Neben der obligatorischen Verglasung beschäftigte man sich daher im 18. Jahrhundert intensiv mit der Frage eines festigenden Überzugs, dem sogenannten Firnis. Rosalba Carriera gab ihren Werken zum Schutz auf Reisen Gebete mit auf den Weg – und noch heute verlassen die kostbaren und empfindlichen Werke der Künstlerin nur selten ihre angestammten Plätze.

Abbildung des Gemäldes Rosalba Carriera. Die Künstlerin hat weiße lockige Haare und ein Kleid mit tiefen Dekolte.

Künstlerin und Kennerin: Karoline Luise von Baden

(Darmstadt 1723 – 1783 Paris)

Heute vor allem als kritisch abwägende und international vernetzte Kunstsammlerin bekannt, die mit ihren Erwerbungen einen entscheidenden Grundstock der Karlsruher Sammlung legte, überrascht die Markgräfin mit eigenen Zeichnungen und hervorragend ausgeführten Kopien. Sie beherrschte sowohl die Pastell- als auch die Ölmalerei und erlernte zudem druckgrafische Techniken. Zu ihren Lehrern gehörte der Genfer Pastellmaler Jean-Étienne Liotard, der ein Porträt der jungen Prinzessin an der Staffelei anfertigte, das in der Kunsthalle zu sehen ist. Seine begabte Schülerin erwies sich als ausgesprochen lernwillig: Ihre Unterrichtsnotizen haben sich im Generallandesarchiv in Karlsruhe erhalten. Praktische Kenntnisse und die für ihre Erwerbungen nötige künstlerische Urteilskraft waren für Karoline Luise untrennbar miteinander verbunden.

Gemälde der Prinzessin Karoline Luise von Hessen-Darmstadt von Jean Etienne Liotard

International erfolgreich: Angelika Kauffmann

(Chur 1741 – 1807 Rom)

In Chur geboren, bei ihrem Vater ausgebildet, früh nach Italien gereist, Gründungsmitglied der Royal Academy in London und höchst erfolgreich in Rom. Angelika Kauffmann zählt zweifellos zu den namhaften deutschen Künstlerinnen. „Miss Angel“ genannt, ging sie als „weiblicher Raffael“ in die Kunstgeschichte ein, war mit Joshua Reynolds, einem der wichtigsten englischen Maler des 18. Jahrhunderts, gut bekannt und stand in engem Austausch mit Johann Wolfgang Goethe. „The whole world is angelicamad“ – Die enorme Popularität ihrer Werke spiegelt sich in den Porzellanen, die mit ihren Kompositionen verziert wurden, und der großen Zahl an Reproduktionsstichen, die bereits zu Lebzeiten ihre Werke verbreiteten. Die Kunsthalle besitzt 95 dieser Grafiken, einige von ihnen kamen bereits im 18. Jahrhundert in die Sammlung. Damals stand kurzzeitig der Vorschlag im Raum, die Künstlerin zur Gründung einer Kunstakademie nach Karlsruhe zu holen.

Fragen der Autorschaft: Marguerite Gérard

(Grasse 1761 – 1837 Paris)

Im Jahr 1979 erwarb die Kunsthalle ein Werk von Marguerite Gérard: Schlaf Kindlein, schlaf. Das feinmalerisch ausgeführte Gemälde bezeugt die enge Orientierung der Künstlerin an der niederländischen Genremalerei des 17. Jahrhunderts. Im südfranzösischen Grasse geboren, zog sie nach der Heirat ihrer Schwester – einer ausgebildeten Miniaturmalerin – mit dem Künstler Jean-Honoré Fragonard nach Paris und lebte dort im Haushalt des Paares. Die räumliche Nähe und gewisse Parallelen in ihrem Schaffen zu Fragonard führten zu Unsicherheiten bei der Zuschreibung ihrer Werke: War Fragonard an ihrer Entstehung maßgeblich beteiligt? Diese Frage wurde auch im Hinblick auf das Karlsruher Bild gestellt, ein zeitgenössischer Reproduktionsstich gibt jedoch die Künstlerin als alleinige Autorin an.

Abbildung des Gemäldes "Schlafe, mein Kind" von Marguerite Gérard. Es zeigt eine junge Frau Gitarre spielend und vor der Wiege eines Kindes stehend.

Offiziell immatrikuliert: Marie Ellenrieder

(Konstanz 1791 – 1863 Konstanz)

In der Stephanskirche in Karlsruhe ist ein großformatiges Altargemälde von der Hand Marie Ellenrieders zu bewundern und auch die Kunsthalle bewahrt mehrere Gemälde und Zeichnungen der Künstlerin. Die meisten von ihnen kamen als sogenannte Pflichtbilder in die Sammlung, zu deren Abgabe Marie Ellenrieder als besoldete Hofmalerin aufgerufen war. Die Künstlerin führte ein für ihre Zeit ungewöhnliches Leben: Sie war im Jahr 1813 als erste Studentin in der offiziellen Immatrikulationsliste der Münchner Kunstakademie gelistet, reiste zwei Mal für viele Monate nach Italien und führte zahlreiche repräsentative Werke mit religiösen Inhalten aus.

Abbildung des Selbstbildnisses von Marie Ellenrieder. Die Künstlerin trägt ein schwarzes Kleid und eine Kette mit einem Kreuz. Ihre Haare sind hochgesteckt.

Künstlerin und Künstlerfrau: Alice Trübner

(Bradford 1875 – 1916 Berlin)

„Jedenfalls gehört Alice Trübner zu den in der Tat interessantesten deutschen Malerinnen.“ schrieb der Kunstkritiker Hans Rosenhagen 1905 in einer Ausstellungsrezension. Die zu dieser Zeit dreißigjährige Künstlerin hatte in München unter anderem bei Max Slevogt und in Frankfurt bei Wilhelm Trübner studiert, den sie im Jahr 1900 heiratete. Nur drei Jahre später zog sie mit ihrem Mann nach Karlsruhe, wo dieser eine Professur an der Kunstakademie erhielt. Alice Trübner trat als selbstbestimmte Frau hervor und ging auch in ihrer Kunst eigene Wege. Die befreundete Else Lasker-Schüler widmete ihr ein Porträtgedicht, in dem es heißt:

„Sie thronte einen Himmel hoch
Über die Freunde.

O sie war eine Sternin –
Schimmer streute sie von sich.

Eine Herzogin war sie
Und krönte den armseligsten Gast.

Manchmal aber kam sie vom West:
Ein Wetter in Blitzfarben“

Abbildung des Gemäldes Schloss Hemsbach bei Weinheim von Alice Trübner.

Inspiration Paris: Paula Modersohn-Becker

(Dresden 1876 – 1907 Worpswede)

Paris ist bis heute ein Sehnsuchtsort und war schon in früheren Zeiten für zahlreiche Künstler und Künstlerinnen ein vielversprechendes Ziel. Paula Modersohn-Becker verbrachte dort ihre fruchtbarste künstlerische Zeit. Die Intensität, mit der sie die Stadt erlebte und die Kunst geradezu in sich aufsaugte, spiegelt sich in ihren Tagebucheinträgen. Während die Antike sie in ihrer „eisigen Objektivität“ erdrückte, wurde der Louvre ihr „A und O“, in dem sie oft „nach Herzenslust badete“. Zu den großen Pariser Entdeckungen gehörte für Paula Modersohn-Becker die Kunst Paul Cézannes, dessen Einfluss sich auch in dem kleinen Karlsruher Stillleben zeigt.

Abbildung von Paula Modersohn-Beckers Obst- und Gemüsestillleben. Zu sehen sind Bananen, Organgen, Zitronen und eine Tomate auf einem weißen Tuch.

Künstlerin und Museumsfrau: Hilla von Rebay

(Straßburg 1890 – 1967 Westport/Connecticut)

Die Kunsthalle besitzt ein Gemälde von Hilla von Rebay, das 1951 als Schenkung der Künstlerin in die Sammlung kam. Rebay, Cousine des damaligen Direktors Kurt Martin, war 1927 in die USA übergesiedelt und wirkte maßgeblich am Aufbau der Sammlung und der Einrichtung des Guggenheim Museums in New York mit. Ihr Interesse galt der gegenstandslosen Malerei von Künstlern wie Wassily Kandinsky, dessen Werke einen prominenten Platz im 1959 eingeweihten Museum einnahmen. Während der Planungen des bis heute ikonischen Gebäudes stand Hilla Rebay in engem Austausch mit dem Architekten Frank Lloyd Wright.

Mit Papier und Schere: Hannah Höch

(Gotha 1889 – 1978 Berlin)

Papier, Schere und Klebstoff – mehr brauchte es für die Künstlerin nicht, um Realität und Fiktion zu neuen Welten zu verbinden. Hannah Höch ist eine Meisterin der Collage. Sie verzahnt banale Nebensächlichkeiten so miteinander, dass der Boden des Vertrauten zu schwanken beginnt. Ihre Werke sind humorvoll, ironisch und grotesk, nachdenklich und manches Mal auch bitter. Sie war eng mit dem Dadaisten Kurt Schwitters befreundet und über Jahre hinweg (bis zu einer schmerzhaften Trennung) mit dem Berliner Künstler Raoul Hausmann liiert.

Ihre Karlsruher Collage ist nach dem Kanon Was müssen das für Bäume sein… benannt und Schwitters gewidmet.

Daniela Sistermanns, 11. Februar 2022

Das geschlossene Museum: Über Chancen im Aufbruch

Das, worauf sich alle Museen bundesweit während der Corona-Pandemie immer wieder einstellen mussten, ist seit dem 1. November 2021 für die Kunsthalle zu einem Dauerzustand geworden: das geschlossene Museum.

Wir dürfen uns nichts vormachen: Sieben Jahre sanierungsbedingte Schließzeit wird für das Team der Kunsthalle eine besondere Herausforderung – und dies gilt ausnahmslos für jeden Arbeitsbereich. Und auch wenn hinter den Kulissen die Umzugsvorbereitungen auf Hochtouren laufen, gesichtet, gepackt, kalkuliert und geplant wird, laufen parallel die originären Aufgaben der Kolleg*innen weiter.

Die Abteilung Kommunikation ist zwar aktuell nicht mit Konzepten zur Bewerbung und digitalen Vermittlung aktueller Ausstellungen beschäftigt, wird aber spätestens seit dem vergangenen Jahr intensiv von vielen Fragen umgetrieben: Wie bleibt ein geschlossenes Museum lebendig? Wie können wir in diesen Zeiten unseren Bildungsauftrag erfüllen? Wie erfüllen wir auch innerhalb dieser so großen (und so wichtigen Zäsur!) einen unserer wichtigsten Aufträge als Museum, nämlich den, die Sammlung weiterhin zu vermitteln? Diese Fragen wurden umso drängender, da durch die Schließzeit die digitalen Weichen, die bereits in den vergangenen Jahren so umfangreich gestellt wurden, nun unser Hauptkommunikationsmedium werden.
Als ich vor fast genau einem Jahr die Abteilungsleitung der Kommunikation in einem Haus übernahm, das kurz vor der Schließzeit stand, war genau dieser Aspekt einer, der mich sehr reizte – vor dem ich gleichzeitig aber auch einen riesigen Respekt verspürte. Die Aufgaben, die uns bevorstehen, werden wahrscheinlich mit keinen bisherigen Projekten vergleichbar sein, in denen wir zuvor mitgewirkt haben – uns steht eine aufregende Zeit bevor!

Aber wie genau entwickelt man ein Kommunikationskonzept für ein Museum, das zeitweise nur im Digitalen und temporär an Interimsstandorten existiert? Allen Maßnahmen vorangestellt ist natürlich der Blick auf die unterschiedlichen Zielgruppen: Somit müssen unsere Besucher*innen, die die analoge Form der Information und Vermittlung schätzen, genauso innerhalb eines ganzheitlichen Konzepts gedacht werden, wie auch diejenigen, die ohnehin aus unterschiedlichen Gründen vorrangig den digitalen Zugang zur Kunsthalle suchen. Die verschiedenen Kommunikationsformen müssen auch mit Blick auf die Dauer der Schließzeit langfristiger gedacht und breiter aufgestellt sein als bei einer üblichen Ausstellungskampagne, die im Vergleich für eine sehr begrenze Laufzeit relevant ist und sich je nach Thema oftmals auch an ein sehr spezifisches Zielpublikum richtet.

360° Grad-Tour als sukzessive Erweiterung

Ein erster Wegbereiter für die digitale Interimszeit war die Erstellung einer 360° Grad-Tour der Kunsthalle. Das ist mittlerweile ein beliebter Ansatz in vielen Einrichtungen, der sich vor allem während der Corona-Zeit etabliert hat, um einen Zugang zu Ausstellungspräsentationen zu schaffen, die aktuell nicht besuchbar sind. Für die Kunsthalle ist dieser virtuelle Erlebnisraum gleichzeitig aber auch eine Form der Konservierung – denn die Architektur und Sammlungspräsentation, wie sie innerhalb des 360°-Rundgangs zu sehen ist, wird nach der Sanierung so nie wieder erlebbar sein. Die virtuelle Tour wurde von Beginn als Basis-Angebot gedacht, das in den kommenden Monaten und auch Jahren um partizipative Elemente erweitert wird. Pünktlich zur Schließung der Kunsthalle am 1. November launchten wir daher eine Quiz-Challenge innerhalb der virtuellen Tour, die einen spielerischen Ansatz verfolgt: Hierbei können die digitalen Besucher*innen ihr Wissen rund um die Kunsthalle und ihre Werke testen und sich so Raum für Raum „freispielen“ und sogar ihre Best-Zeiten messen.

Screenshot einer Fragestellung innerhalb der 360 Grad Challenge der Kunsthalle Karlsruhe.
Auszug aus der 360 Grad Challenge

Aktuell stehen wir vor zwei weiteren großen Erweiterungen der 360°-Tour: Um der zweidimensionalen Videokonferenz-Ästhetik etwas entgegenzusetzen, verfolgen wir die Umsetzung von Live-Führungen durch die 360°-Umgebung. Zwei Kolleginnen der Abteilung Sammlung und Wissenschaft werden im Dialog durch die virtuelle Kunsthalle schreiten und über die typischen Bildbetrachtungen hinaus dabei sowohl spannende als auch ungewöhnliche Einblicke in die Räumlichkeiten des Museums gewähren. Während der Entwicklungsphase mussten wir uns aber auch immer wieder aufgrund technischer Machbarkeit von Wünschen verabschieden. Die Live-Führung wird über einen YouTube-Stream verfolgbar sein; die User*innen sind animiert per Chat-Funktion Wünsche zu äußern oder Fragen an die Kolleginnen zu stellen. In bereits zwei Probeläufen haben wir gemeinsam mit ausgewählten Test-Personen das neue Format sowohl technisch als auch inhaltlich vorstellen können, dabei viel positives Feedback und wichtige Hinweise erhalten, sodass wir im März an den offiziellen Start gehen.

Der dritte Baustein zur Erweiterung der 360°- Tour erinnert zugegebenermaßen an beliebte Lebenssimulations-Games: Mittels eines Atelier-Tools werden die digitalen Besucher*innen im imposanten grünen Saal der Kunsthalle selbst zu Kurator*innen werden. Dabei steht eine Reihe von Werken, die einen Querschnitt durch die renommierte Museumssammlung bilden, zur Auswahl, und sind mit verschiedenen historischen Rahmen kombinierbar. Über die Auswahlmöglichkeiten erhalten die User*innen auch hier einen spielerisch-informativen Zugang zu den einzelnen Kunstwerken, sie können sich intuitiv über epochenspezifische Eigenheiten informieren, kreativ betätigen und die Ergebnisse mit ihrer Community teilen.

Podcast als wichtiges Interimsmedium

Ein großer Umbruch steht der Kunsthalle auch in Sachen „Podcast“ bevor: Der bislang existierende Podcast Kunstgedanken, in dem Menschen aus Kunst, Kultur und Gesellschaft zu Wort gekommen sind, wird substanziell gerelauncht. Innerhalb eines Workshops mit dem Podcast-Experten Thomas Frank hat sich das Kunsthallen-Team die Frage gestellt: Was soll ein guter Museums-Podcast leisten? Welche Zielgruppen wollen wir damit erreichen und welche Themen könnten für die – zum Teil neu zu erschließende – Hörerschaft interessant sein? Das Ergebnis dieses Tages und weiterer interner Brainstorming-Termine war ein riesiger Berg an vielen und größtenteils auch unkonventionellen Ideen, die 2022 endlich Form annehmen sollen. Uns ist es vor allem wichtig, dass die zukünftigen Podcast-Formate der Kunsthalle genauso facettenreich sind, wie das Museum selbst und auf die verschiedenen Bedürfnisse der Zuhörerschaft eingehen. Von kurzweilig bis episch, von leicht zugänglich bis zu nerdy: Die Formate sollen unterhaltend sein, dennoch tiefgründigere Zugänge bieten, zu Diskursen anregen und vor allem neue Perspektiven öffnen!

In all den digitalen Möglichkeiten werden wir selbstverständlich neben den ohnehin schon digital Affinen auch unsere Besucherschaft mitdenken und mitnehmen, die sich vorrangig für die analogen Informationswege interessieren. Somit soll kurzerhand unser Quartalsprogramm, das regelmäßig über Ausstellungen und Veranstaltungen berichtete, zu einem Format transformiert werden, das Geschichten aus der Sanierungsphase genauso aufgreifen soll wie aktuelle Fragestellungen – dies gepaart mit dem Hinweis auf unser digitales (Führungs-)Angebot, das innerhalb der Schließzeit regelmäßig stattfinden wird. Mit dem Start der großen Sammlungs-Präsentation im ZKM | Zentrum für Kunst und Medien ab Herbst 2022 werden sich auch in diesem Rahmen sicherlich viele neue Anknüpfungspunkte ergeben.

Das Museum kann überall stattfinden

Bei all diesen Plänen und mit Blick auf die bisherigen kommunikativen Wege treibt uns aber auch immer wieder eine Frage um, auf die wir noch keine befriedigende Antwort gefunden haben: Wenn wir einen Großteil der Kunsthallen-Aktivitäten im Digitalen stattfinden lassen, wie können wir es schaffen, dass der Diskurs innerhalb der Community verstärkt wird? Wie kann man vermehrt in den Dialog treten und teilhaben an den Bedürfnissen der unterschiedlichen User*innen? Nachhaltige Interaktionen und Kommentare innerhalb unserer Social Media-Kanäle sind weniger geworden. Digitale Aufrufe und Fragen werden oftmals nicht in Anspruch genommen. Will sich eine bestimmte Generation von User*innen vielleicht einfach nicht mitteilen? Oder sind die Kanäle, die wir zur Verfügung haben, für diese Form der Interaktion die falschen?

Ich kehre zurück zu unserer Ausgangslage: das geschlossene Museum. Drei Worte, die vielleicht erst einmal angsteinflößend wirken. Ich sehe aber vor allem viele Chancen in diesem Aufbruch. Langjährige Modelle, egal in welchem Arbeitsbereich, können in neuem Licht erscheinen, aus anderen Perspektiven betrachtet und kritisch hinterfragt werden. Für die Abteilung Kommunikation sind die skizzierten Schließzeit-Projekte nur ein Auftakt in diesem Aufbruch, der uns vor die große Herausforderung stellt, unser Zielpublikum neu zu denken sowie neue und zum Teil unkonventionelle Wege zu suchen, damit die Sammlung der Kunsthalle Karlsruhe auch weiterhin im Gedächtnis der Menschen haften bleibt. Spätestens jetzt ist es an der Zeit, die Institution „Museum“ neu zu denken: Als einen Ort, der nicht abhängig von physischen Besuchen ist, sondern als einen Ort, der überall stattfinden kann.

Dr. Astrid Reuter, 18. Februar 2022

Künstlerinnen der Kunsthallen-Sammlung – meine persönliche Top 10 + 1

Heute sind Frauen aus dem Kunstbetrieb nicht wegzudenken. Doch auf wessen Schultern stehen sie?

Schaut man in die Sammlung der Karlsruher Kunsthalle, so erscheint die Zahl der Künstlerinnen im Vergleich zu den zahlreichen männlichen Namen bescheiden. Aber es gibt sie durchaus und es werden mehr. Erst kürzlich gelang die Erwerbung eines Selbstbildnisses der französischen Künstlerin Marie Guilhelmine Benoist (1768–1826), in dem sich biographischer und gesellschaftspolitischer Wandel in unerwarteter Weise verbinden.

Der bildlich thematisierte Atelierwechsel der jungen Künstlerin – von Elisabeth Vigée-Lebruns als Vertreterin des Ancien Régîme zu Jacques-Louis David, dem zukünftigen Maler Napoleons – wird zum Zeichen für den Umbruch vom Rokoko zum Klassizismus.

Die hier vorgestellte Auswahl von zehn Frauen ist nicht repräsentativ. Sie spiegelt persönliche Entdeckungen, Interessen und Vorlieben.

Als sich einige Jahre später die Förderlinie Creative Europe der Europäischen Union für die grenzüberschreitende Interaktion verschiedener Einrichtungen einsetzte, war dies für die Kunsthalle das Signal, den Aktionsradius des Museums international zu erweitern.

Unsere Wunschpartner waren das Musée des Beaux-Arts in Lyon und die Scottish National Galleries in Edinburgh. Alle drei Institutionen liegen nicht in den Hauptstädten ihrer Länder; alle drei zählen zu den frühen musealen Gründungen im 19. Jahrhundert; alle drei Häuser sammeln spartenübergreifend Kunst von der frühen Neuzeit bis in die Gegenwart; alle besitzen Hauptwerke der europäischen Kunstgeschichte, aber auch weniger bekannte Werke von regional tätigen Künstlern und Künstlerinnen.

Nach einer längeren Phase der Themensuche im Kreis des siebenköpfigen internationalen Kurator*innenteams fiel die Entscheidung für das „Selbstporträt“. Diese Gattung ist aufs engste mit der Geschichte der Emanzipation des europäischen Künstlersubjektes verbunden und ist in allen drei Sammlungen breit vertreten. Die EU-Förderlinie Creative Europe bot den Rahmen zur gemeinsamen Beantragung von Finanzmitteln, die vor allem der Vermittlungsarbeit zu Gute kamen.

Nach einer vierjährigen Vorbereitungszeit entstanden drei Ausstellungen mit sehr großen Schnittmengen bei den Werken, aber auch mit der Möglichkeit, in jedem Haus eigene Akzente zu setzen. Die Kunstgeschichte des Selbstporträts wurde im Zusammenspiel der drei Sammlungen nicht in der zeitlichen Ordnung des Nacheinander, sondern eher in Bruchstücken erzählt – als eine Kette von Knotenpunkten im Netzwerk der europäischen Kunstgeschichte. Für alle drei Museen und ihre kuratorischen Teams war diese kooperative Form der Museumsarbeit eine lohnende Erfahrung, die sich auch in einer überaus positiven Besucher- und Medienresonanz spiegelte.

Zu fragen ist: Brauchen wir heute seitens der Museen einen dezidierten Einsatz für Europa? Ist dies ein vertretbares Anliegen angesichts einer heute gleichfalls notwendigen Kritik eurozentristischen Denkens? Wir meinen, dass die Stärkung des Europas der Sammlungen und der Kompetenzen auch künftig ein lohnendes Projekt ist. Das Europa der Kulturen war immer ein Produkt des Austauschs; europäische Geschichte war in ihren produktiven Phasen immer Beziehungsgeschichte –verwoben mit der außereuropäischen Welt, aber auch dynamisch nach innen, also zwischen den europäischen Nachbarn. Kooperationen können als Kraft gegen die Gefahr eines Rückfalls Europas in die Zersplitterung wirken. Kunstmuseen sind vorzügliche Orte, um dem Gedanken eines weltoffenen Europa Geltung zu verschaffen.

Dieser Beitrag entstand auf der Grundlage eines Vortrags, der am 9. Dezember 2021 im Rahmen der Konferenz Peut-on parler d’une Europe des musées? von ICOM France gehalten wurde.

Sarah Ball, 30. Januar 2022

Kunsthallen-DIY: Upcycling-Briefumschlag aus Kunsthallen-Flyern

In Zeiten von Social Media, Messengern und Co. ist die Freude umso größer, wenn uns ein persönlicher Brief in einem ganz individuellen, kunstvollen Briefumschlag erreicht. Das Kunsthallen-DIY inspiriert zu einem kreativen Upcycling-Projekt, um Familienmitglieder oder Freund*innen zu überraschen.

Was macht ein Museum eigentlich mit Flyern, wenn die jeweiligen Ausstellungen vorbei sind? Mit diesem Kunsthallen-Tutorial geben wir den Flyern ein zweites Leben und allen Nachbastler*innen die Möglichkeit, in Erinnerungen an die Lieblingsausstellungen zu schwelgen.

Das Foto zeigt zwei Umschläge, die aus Kunsthallen-Flyern gebastelt wurden

Was benötigt wird:

Kunsthallen-Flyer oder alternativ eine Seite der Lieblingszeitschrift, ein Lineal, ein Stift und eine Schere.

Das Bild zeigt die benötigten Materialien, um einen Briefumschlag aus einem Kunsthallen-Flyer zu basteln: Flyer, Stift, Schere und Lineal.

Im ersten Schritt einen geeigneten Ausschnitt des Flyers wählen und ihn auf die Maße eines DIN-A4-Blattes zuschneiden. Das geht entweder indem die Maße 297x210mm ausgemessen werden oder mithilfe eines DIN-A4-Blattes als Schablone.

Das Foto zeigt einen Flyer, ein Lineal und eine Schere

Nun wird die spätere Außenansicht gewählt. Die Seite, die zu sehen ist, wenn der Flyer vor einem liegt, wird später die Innenseite des Briefumschlags sein.

Das Bild zeigt die Vorder- und Rückansicht eines Kunsthallen-Flyers.

Den Zuschnitt einmal längs und einmal quer falten und wieder auseinanderklappen.

Das Foto zeigt einen Kunsthallen-Flyer, der zur Bastelvorbereitung bereits geknickt wurde.

Die untere Längsseite zu einem Viertel einklappen.

Das Bild zeigt einen gefalteten Kunsthallen-Flyer

Rechts und links die Ecken bündig einklappen.

Das Foto zeigt einen geknickten Kunsthallen-Flyer

Die Seiten mit den eingeklappten Ecken nach innen falten.

Das Bild zeigt einen Schritt der Bastelanleitung für Kunsthallen-Briefumschläge

Anschließend die gerade eingeklappten Seiten nochmals nach innen falten und wieder auseinanderklappen.

Das Foto ist Teil einer Bastelanleitung und zeigt einen gefalteten Flyer

Wenn die Seiten aufgeklappt sind, dann die Ecken bündig falten.

Das Bild zeigt einen gefalteten Kunsthallen-Flyer im Rahmen einer Bastelanleitung

Daraufhin den vorletzten Schritt wiederholen und die Seiten mit den eingeknickten Ecken erneut nach innen falten.

Gefalteter Kunsthallen-Flyer

Den Flyer drehen und die oberen Seiten bis zum mittleren Falz einklappen.

Anleitung zum Basteln eines Briefumschlags aus Kunsthallen-Flyern

Den oberen Teil des Flyers in den unteren Teil stecken, knicken und einen Brief reinstecken.

Das Foto zeigt einen gebastelten Briefumschlag aus Kunsthallen-Flyern

Wir sind gespannt auf Eure Briefumschlag-Kreationen! Teilt Eure Ergebnisse mit dem Hashtag #kunsthalleathome in den sozialen Medien.

Dr. Astrid Reuter, 18. Februar 2022

Künstlerinnen der Kunsthallen-Sammlung – meine persönliche Top 10 + 1

Heute sind Frauen aus dem Kunstbetrieb nicht wegzudenken. Doch auf wessen Schultern stehen sie?

Schaut man in die Sammlung der Karlsruher Kunsthalle, so erscheint die Zahl der Künstlerinnen im Vergleich zu den zahlreichen männlichen Namen bescheiden. Aber es gibt sie durchaus und es werden mehr. Erst kürzlich gelang die Erwerbung eines Selbstbildnisses der französischen Künstlerin Marie Guilhelmine Benoist (1768–1826), in dem sich biographischer und gesellschaftspolitischer Wandel in unerwarteter Weise verbinden.

Der bildlich thematisierte Atelierwechsel der jungen Künstlerin – von Elisabeth Vigée-Lebruns als Vertreterin des Ancien Régîme zu Jacques-Louis David, dem zukünftigen Maler Napoleons – wird zum Zeichen für den Umbruch vom Rokoko zum Klassizismus.

Die hier vorgestellte Auswahl von zehn Frauen ist nicht repräsentativ. Sie spiegelt persönliche Entdeckungen, Interessen und Vorlieben.

Zwei ältere Kassetten aus dem Kupferstichkabinett mit Gebrauchsspuren.

Als sich einige Jahre später die Förderlinie Creative Europe der Europäischen Union für die grenzüberschreitende Interaktion verschiedener Einrichtungen einsetzte, war dies für die Kunsthalle das Signal, den Aktionsradius des Museums international zu erweitern.

Das Bild zeigt ein Aufbewahrungsbehältnis für Werke des Kupferstichkabinetts im Rahmen der Umzugsvorbereitungen

Unsere Wunschpartner waren das Musée des Beaux-Arts in Lyon und die Scottish National Galleries in Edinburgh. Alle drei Institutionen liegen nicht in den Hauptstädten ihrer Länder; alle drei zählen zu den frühen musealen Gründungen im 19. Jahrhundert; alle drei Häuser sammeln spartenübergreifend Kunst von der frühen Neuzeit bis in die Gegenwart; alle besitzen Hauptwerke der europäischen Kunstgeschichte, aber auch weniger bekannte Werke von regional tätigen Künstlern und Künstlerinnen.

Nach einer längeren Phase der Themensuche im Kreis des siebenköpfigen internationalen Kurator*innenteams fiel die Entscheidung für das „Selbstporträt“. Diese Gattung ist aufs engste mit der Geschichte der Emanzipation des europäischen Künstlersubjektes verbunden und ist in allen drei Sammlungen breit vertreten. Die EU-Förderlinie Creative Europe bot den Rahmen zur gemeinsamen Beantragung von Finanzmitteln, die vor allem der Vermittlungsarbeit zu Gute kamen.

Das Foto zeigt neue Behältnisse für die Werke des Kupferstichkabinetts, die für Umzugsvorbereitungen benötigt wurden.

Nach einer vierjährigen Vorbereitungszeit entstanden drei Ausstellungen mit sehr großen Schnittmengen bei den Werken, aber auch mit der Möglichkeit, in jedem Haus eigene Akzente zu setzen. Die Kunstgeschichte des Selbstporträts wurde im Zusammenspiel der drei Sammlungen nicht in der zeitlichen Ordnung des Nacheinander, sondern eher in Bruchstücken erzählt – als eine Kette von Knotenpunkten im Netzwerk der europäischen Kunstgeschichte. Für alle drei Museen und ihre kuratorischen Teams war diese kooperative Form der Museumsarbeit eine lohnende Erfahrung, die sich auch in einer überaus positiven Besucher- und Medienresonanz spiegelte.

Dr. Astrid Reuter, 18. Februar 2022

Künstlerinnen der Kunsthallen-Sammlung – meine persönliche Top 10 + 1

Heute sind Frauen aus dem Kunstbetrieb nicht wegzudenken. Doch auf wessen Schultern stehen sie?

Schaut man in die Sammlung der Karlsruher Kunsthalle, so erscheint die Zahl der Künstlerinnen im Vergleich zu den zahlreichen männlichen Namen bescheiden. Aber es gibt sie durchaus und es werden mehr. Erst kürzlich gelang die Erwerbung eines Selbstbildnisses der französischen Künstlerin Marie Guilhelmine Benoist (1768–1826), in dem sich biographischer und gesellschaftspolitischer Wandel in unerwarteter Weise verbinden.

Der bildlich thematisierte Atelierwechsel der jungen Künstlerin – von Elisabeth Vigée-Lebruns als Vertreterin des Ancien Régîme zu Jacques-Louis David, dem zukünftigen Maler Napoleons – wird zum Zeichen für den Umbruch vom Rokoko zum Klassizismus.

Die hier vorgestellte Auswahl von zehn Frauen ist nicht repräsentativ. Sie spiegelt persönliche Entdeckungen, Interessen und Vorlieben.

Zwei Personen im Gespräch vor einem Gemälde in einem prunkvollen goldenen Rahmen
Das vorerst letzte analoge Feuerwerk: Die Abschiedswoche.

Auch hinter den Kulissen der Kunsthalle ist darüber hinaus wahnsinnig viel passiert: neue Kolleg*innen sind ins Haus gekommen, wir konnten unsere Sammlung durch zahlreiche Werke erweitern und wir haben intensiv an neuen digitalen Angeboten gearbeitet, die im kommenden Jahr online gehen werden.

Auch ich persönlich habe 2021 eine Menge lernen dürfen. An erster Stelle sind die Pandemie und die damit verbundenen Unsicherheiten und Herausforderungen zu nennen. Ich denke hier nicht nur an die vielen Maßnahmen, die für einen reibungslosen und für alle Besucher*innen und Kolleg*innen gut organisierten Alltag im Museum geplant und umgesetzt werden müssen, sondern auch, was es bedeutet, in diesen Zeiten einen Museumsumzug vorzubereiten und dabei erleben zu müssen, wie der derzeit allgemein vorherrschende Material- und Ressourcenmangel alle Planungen über den Haufen wirft. Wir haben uns als Team weiterentwickelt: Es wird mobil gearbeitet, was wiederum die Notwendigkeit einer gut organisierten und funktionierenden internen Kommunikation noch einmal unterstreicht. Dies gilt vor allem mit Blick auf die vielen Veränderungen, vor denen die Kunsthalle steht; nicht alle können mit den damit verbundenen Herausforderungen und Unsicherheiten gleich gut umgehen. Es knirscht gelegentlich und Emotionen können hochkochen. Das ist allzu menschlich, aber mir ist in den zurückliegenden Monaten klargeworden, dass die Veränderungsprozesse gut begleitet und moderiert werden müssen.

Ein schrecklicher Anlass – die Flut in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen – führte dazu, dass ich mich mit Fragen des Hochwasserschutzes am Interimsgebäude beschäftigen musste. Die Katastrophe hat auch die Solidarität, die zwischen Museen besteht, gezeigt. Ich bin dankbar, dass wir hier als Kunsthalle einen ganz kleinen Beitrag leisten konnten.

Das Ende des Jahres ist auch ein guter Zeitpunkt zum Innehalten und zum Dank – an unsere Besucher*innen, Partner*innen und Förder*innen, an das Land Baden-Württemberg und selbstverständlich an das gesamte Team der Kunsthalle. Das kommende Jahr wird herausfordernd und noch mehr Veränderungen bringen – gemeinsam werden wir das meistern und freuen uns schon sehr darauf Sie und Euch alle digital mitzunehmen! Wie ist Ihr und Euer Resümee des Kultur-Jahres 2021?

Dr. Astrid Reuter, 18. Februar 2022

Künstlerinnen der Kunsthallen-Sammlung – meine persönliche Top 10 + 1

Heute sind Frauen aus dem Kunstbetrieb nicht wegzudenken. Doch auf wessen Schultern stehen sie?

Schaut man in die Sammlung der Karlsruher Kunsthalle, so erscheint die Zahl der Künstlerinnen im Vergleich zu den zahlreichen männlichen Namen bescheiden. Aber es gibt sie durchaus und es werden mehr. Erst kürzlich gelang die Erwerbung eines Selbstbildnisses der französischen Künstlerin Marie Guilhelmine Benoist (1768–1826), in dem sich biographischer und gesellschaftspolitischer Wandel in unerwarteter Weise verbinden.

Der bildlich thematisierte Atelierwechsel der jungen Künstlerin – von Elisabeth Vigée-Lebruns als Vertreterin des Ancien Régîme zu Jacques-Louis David, dem zukünftigen Maler Napoleons – wird zum Zeichen für den Umbruch vom Rokoko zum Klassizismus.

Die hier vorgestellte Auswahl von zehn Frauen ist nicht repräsentativ. Sie spiegelt persönliche Entdeckungen, Interessen und Vorlieben.

Dr. Astrid Reuter, 18. Februar 2022

Künstlerinnen der Kunsthallen-Sammlung – meine persönliche Top 10 + 1

Heute sind Frauen aus dem Kunstbetrieb nicht wegzudenken. Doch auf wessen Schultern stehen sie?

Schaut man in die Sammlung der Karlsruher Kunsthalle, so erscheint die Zahl der Künstlerinnen im Vergleich zu den zahlreichen männlichen Namen bescheiden. Aber es gibt sie durchaus und es werden mehr. Erst kürzlich gelang die Erwerbung eines Selbstbildnisses der französischen Künstlerin Marie Guilhelmine Benoist (1768–1826), in dem sich biographischer und gesellschaftspolitischer Wandel in unerwarteter Weise verbinden.

Der bildlich thematisierte Atelierwechsel der jungen Künstlerin – von Elisabeth Vigée-Lebruns als Vertreterin des Ancien Régîme zu Jacques-Louis David, dem zukünftigen Maler Napoleons – wird zum Zeichen für den Umbruch vom Rokoko zum Klassizismus.

Die hier vorgestellte Auswahl von zehn Frauen ist nicht repräsentativ. Sie spiegelt persönliche Entdeckungen, Interessen und Vorlieben.

Videostill mit Einblicken aus der Arbeit der Kunstvermittlung der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Eine Frau interagiert mit vier Kindern.
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Dieses Video entstand 2019.

Denn diese Zukunft beginnt nicht erst, wenn sich der Vorhang wieder an anderer Stelle hebt, im ZKM, in der Jungen Kunsthalle, in der Orangerie – und in einigen Jahren natürlich auch wieder in den ehrwürdigen Räumlichkeiten des Hauptgebäudes. Sie beginnt hier und jetzt. Sie ist schon in vollem Gange. Sie entwickelt sich Tag für Tag aus dem, was man über viele Jahre und noch einmal in diesen intensiven Wochen wahrnehmen konnte an Gewohnheiten, Zugangsarten, Bedürfnissen. Die Besuchsströme der Abschiedswoche haben unter Beweis gestellt, wie notwendig bauliche Veränderungen sind. Nicht zuletzt die Pandemie hat gezeigt, welche Rolle klimatische, energetische, lüftungstechnische Voraussetzungen des Museumsbaus spielen. Diese Ereignisse verdeutlichen aber auch, welche Potenziale die unterschiedlichsten Vermittlungsarten haben, analoge wie digitale.

Für die Kunstvermittlung bieten die Beobachtungen und Erfahrungen Orientierungshilfen bei Fragen, die täglich die Arbeit begleiten, aber in einer Umbruchphase wie der in der Kunsthalle anstehenden noch drängender sind: Was hat sich über lange Zeit bewährt und muss fortgeführt werden? Welche Angebote werden schon jetzt schmerzlich vermisst? Wie können wir sie ersetzen, erweitern? Wo und wie können wir auf veränderte und sich weiter verändernde Wahrnehmung und Nachfrage bei welchen Besucherinnen und Besuchern reagieren? Wo müssen Stellschrauben im Angebot justiert, wo können zusätzliche Formate geschaffen werden? Welche Möglichkeiten, für unser Publikum da zu sein, gibt es in einer Zeit, in der ein komplettes Haus mit allen Mitarbeitenden, Kunstwerken und der gesamten Infrastruktur umzieht?

Ja, viele Fragen sind offen, der Vorhang ist zu. Aber hinter dem Vorhang tut sich etwas. Es wird ausgeräumt, gepackt, sortiert, es werden Materialien und Gedanken geordnet. Denn all die Herausforderungen bieten auch enorme Chancen: Dinge anzupacken, auszuprobieren, mutig und risikofreudig zu sein. Und selbst genauso neugierig wie unser Publikum.

Denn wie aufregend im positiven Sinn ist es, über unser zukünftiges Haus nachzudenken, das dann mehr denn je in verschiedenen Orten bestehen wird. Orte, die völlig unterschiedliche Rahmenbedingungen besitzen, die zur konstruktiven Auseinandersetzung über Vermittlungsformate anregen: Das brodelnde, architektonisch, akustisch und visuell so gänzlich anders als unsere gewohnten Räume funktionierende ZKM; die Orangerie mit ihrer ganz eigenen Raumwirkung und eigenen Möglichkeiten der Begegnung; die Junge Kunsthalle mit ihren Ausstellungs- und vor allem den Werkräumen, in denen Kunst auch produktiv erfahren wird. Und bis sich Türen wieder physisch öffnen, gilt es, intensiv an alternativen Kontaktmöglichkeiten für Kunst und Menschen zu arbeiten: in virtuellen Räumen und an anderen Orten als den altbekannten.

Wir freuen uns auf die kommenden Begegnungen. Die der alten Freunde, die sich lange nicht gesehen haben: Besucherinnen und Besucher und „ihre“ Werke. Die mit den „Neuen“ der Abschiedswoche, die ihren Fuß hoffentlich auch in die zukünftigen Gebäude setzen. Wir freuen uns auf die Neugier aller Besucherinnen und Besucher im digitalen und analogen Raum. Wir freuen uns auf viele Gespräche, gemeinsames Erkunden, Fragen, Wünsche, Reaktionen.

Der Vorhang wird schon zurechtgerückt, um sich für den nächsten Akt zu lüften!

Jana Mandrys, 25. Oktober 2021

Die Kunstbibliothek in Zahlen

Jährlich werden zum Tag der Bibliotheken die Orte der Wissenssicherung und -vermittlung gefeiert. Eine Auswahl unterschiedlichster Fakten rund um die Kunstbibliothek der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe gibt Einblick in diesen wichtigen Bereich des Kunstmuseums.

  • Die Kunstbibliothek der Kunsthalle besitzt knapp 180.000 Bände und zählt damit zu den großen öffentlich zugänglichen Museumsbibliotheken in Deutschland.
  • Die Medienbestände der Kunstbibliothek nehmen aktuell insgesamt eine Länge von ca. 3.300 Metern ein.
  • Neben Monografien, Kleinschriften, Ausstellungs- und Auktionskatalogen besitzt die Kunstbibliothek über 1.185 Zeitschriften. Aktuell bezieht sie über 110 nationale und 112 internationale Zeitschriften im Abonnement, 38 davon online.
  • Zum Bibliotheksbestand gehören auch kostbare illustrierte Bücher, die teilweise noch auf die Sammeltätigkeit der Markgräfin Karoline Luise von Baden aus dem 18. Jahrhundert zurückgehen.
  • Das älteste Buch, das in der Bibliotheksdatenbank nachgewiesen ist, stammt von 1498 und ist eine deutsche Ausgabe von Albrecht Dürers Die heimliche Offenbarung Johannis.
  • Das kleinste Buch ist 7 cm hoch. Eines der größten Bücher ist 90 x 65 cm groß.
  • Die Bibliothek steht mit über 250 anderen Museen und Institutionen in aktiven Tauschbeziehungen. Für Kunstbibliotheken ist dies auch wichtig, um den eigenen Buchbestand relevanter Publikationen auszubauen.
  • Der Bucherwerb und auch digitale Zugänge sind kostenintensiv. Die Kunstbibliothek bietet ihren Nutzer*innen trotzdem kostenfrei Zugang zu fünf Datenbanken: Allgemeines Künstlerlexikon, International Bibliography of Art, Prometheus, Grove Art (Oxford Art online) und artprice.com
  • Im Jahr 2020 wurden von den vier Mitarbeiterinnen 2.970 Titel in den Katalog des Südwestdeutschen Bibliotheksverbunds ein­ge­ge­ben.
  • Es wurden 102 Kartonagen für graue Literatur und Kleinschriften angefertigt. Als graue Literatur bezeichnet man Veröffentlichungen, die nicht über einen Verlag verlegt wurden, sondern häufig direkt von Autor*innen oder von Institutionen bezogen werden. Häufig handelt es sich um dünne Hefte, die von Kartonagen geschützt werden und erst durch diese im Regal am Rückentitel gut gefunden werden können.
  • Die Bibliothek wird nach dem Umzug der Kunsthalle in das Interimsgebäude knapp 1.100 qm Fläche einnehmen und weiterhin für Nutzer*innen geöffnet sein.

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Dr. Sebastian Borkhardt, 23. Juli 2021

Was uns blüht

Nach über einjähriger Wartezeit ist es endlich so weit: Die Kunsthalle eröffnet die infolge der Pandemie verschobene Ausstellung „Inventing Nature – Pflanzen in der Kunst“. Ein Aufatmen.

Eine idyllische Flusslandschaft, überwölbt von einer gigantischen Kuppelarchitektur. Eine faszinierende Vision, so schön wie verstörend. Nicht ohne Grund bildet die 2004 entstandene Fotomontage Kitka River des finnischen Künstlers Ilkka Halso das Titelmotiv der Ausstellung Inventing Nature – Pflanzen in der Kunst: Das Werk legt den Zwiespalt in unserem Verhältnis zur Natur offen, die wir existenziell benötigen, die uns mit ihren Wundern in Staunen versetzt – und die wir dennoch so stark gefährden, dass sie vielleicht einmal nur noch mithilfe solch schützender Konstruktionen zu überleben vermag.

Halsos Arbeit gibt aber auch Anlass, um über die Konstruiertheit des Naturbegriffes selbst nachzudenken. Beschleicht einen vor Kitka River deshalb so leicht ein Unbehagen, weil die Natur hier ihrer Natürlichkeit entledigt scheint? Aber wo hört Natur auf? Dort, wo menschliche Kultur beginnt? Steht Menschengemachtes außerhalb der Natur, ist es aus ihr hervorgegangen und über sie hinausgewachsen – oder doch immer Teil von ihr? Oder ist umgekehrt die Idee von „Natur“ am Ende eine Erfindung und damit Teil der Kultur?…

Abbildung des Werks "Kitka River" von Ilkka Halso

Inventing Nature lädt allerdings nicht bloß zu kritischer Hinterfragung ein. Die Schau vereint Werke aus der historischen Sammlung der Kunsthalle mit zeitgenössischen Positionen und erzählt Geschichten von Abhängigkeit und Aneignung, Herrschaft und Zerstörung, aber auch von Entdeckerlust und Fantasie, Ehrfurcht und Magie, von Abstraktion und Einfühlung. Die Ausstellung feiert die Diversität, den Ausdruck, die Sinnlichkeit und Erfindungskraft, die Kunst und Natur gemeinsam sind. Sie beleuchtet die mannigfaltigen Zugänge zu Pflanzen in der Kunst über fünf Jahrhunderte hinweg.

Bereits Ende Mai 2020 hätte Inventing Nature eröffnet werden sollen. Hätte. Die Präsentation der inhaltlich so gut wie abgeschlossenen Blütenlese wurde aufgrund der Coronakrise verschoben. Das Ausstellungsthema legte indessen noch an Bedeutungsgewicht zu: Nicht nur wurden Verbindungen zwischen dem ökologischen Versagen unserer Zeit und dem Auftauchen des Virus hergestellt. Auch flüchteten sich viele, die die Möglichkeit dazu hatten, in die tröstenden Arme von Mutter Natur. Ich gehörte zu ihnen – und folgte den Worten der Dichterin Hilde Domin: „Vertraue dich dem Obstbaum an.“

Die Beschäftigung mit Pflanzen in der Kunst ließ mich Landschaft und Vegetation in meiner Umgebung neu wahrnehmen. Mit der Kamera meines Handys versuchte ich das bizarre Linienspiel kahler Äste, die plastische Qualität schneebedeckter Nadelbäume und die sprießenden Farben des Frühlings festzuhalten. Näheres Hinsehen führte zur feineren Unterscheidung und zu Einsichten in botanische Zusammenhänge – Erfahrungen, die wiederum meinen Blick auf unsere Ausstellung formten. Hatte ich Hans Thomas Ölstudie Gräser zwischen Felsen von 1863 bislang kaum Beachtung geschenkt, so begann ich eine ungeahnte Sympathie für das Werk zu empfinden: unscheinbare Gewächse, die der Maler für wert befand, im Bild bewahrt zu werden. Gewiss werden auch manche Besucher*innen von Inventing Nature mit einer neuen Sensibilität an die Exponate herantreten und sie in einem anderen Licht betrachten als sie es noch vor einem Jahr getan hätten.

Landschaftsgemälde von Hans Thoma, das zwei Felsen zeigt, zwischen denen Gräser wachsen

Die Ausstellungsvorbereitungen gingen während der Monate der Planungsunsicherheit weiter. So wurden in regem Austausch mit dem Naturkundemuseum und dem Botanischen Garten dreizehn Hochbeete entwickelt, die seit diesem Juni das Bild der Karlsruher Innenstadt prägen: Als Botschafter für Inventing Nature und die Begleitausstellung Iss mich! Obst und Gemüse in der Kunst der Jungen Kunsthalle künden sie von dem engen Band zwischen Natur und Kunst. Endlich waren die ersten Früchte unserer Arbeit sichtbar!

Mitte Juli hielten wir dann den gedruckten Katalog in unseren Händen – und atmeten auf. Welche Erleichterung auch, als wir in den vergangenen Wochen beim Aufbau in den Galerieräumen das stetige Wachsen der Ausstellung erlebten. Dass sie nun der ursprünglichen Konzeption entsprechend stattfinden kann, ist nicht zuletzt den Künstler*innen und Leihgeber*innen zu verdanken, die unser Vorhaben trotz wiederholt angepasster Laufzeit weiterhin unterstützten.

Durch die Verlegung auf den Sommer 2021 wurde Inventing Nature zur Jubiläumsausstellung: Mit ihr begeht die Kunsthalle in diesem Jahr ihren 175. Geburtstag – bevor das Hauptgebäude wegen der anstehenden Sanierung für mehrere Jahre geschlossen wird. Wer auf dem Weg zur Ausstellung im repräsentativen Treppenhaus seinen Blick durch dieses Gesamtkunstwerk des Architekten Heinrich Hübsch schweifen lässt, wird vielleicht feststellen, dass Pflanzen bei der dekorativen Ausgestaltung des Baus reichlich Anregungen geliefert haben. Es empfiehlt sich, vor der Schließung auch hier den Spuren Floras einmal nachzuspüren.

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Auch während der sanierungsbedingten Schließung informieren wir Sie hier über die Geschehnisse hinter den Kulissen der Kunsthalle.