Ausstellungsvorschau

SEAN SCULLY

Vita Duplex

24. März – 5. August 2018

 

Kunst resultiere aus dem Widerstreit, dem Konflikt – zwischen Körper und Geist, Oberfläche und Innenleben, Impulsivität und Reflexion, Struktur und Emotion, so die Auffassung von Sean Scully. 1945 in Dublin geboren und in London aufgewachsen zählt er heute zu den bedeutendsten Künstlern der Gegenwart.

 

Unter dem Titel Vita Duplex zeigt die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe mit circa 100 Werken einen umfassenden Einblick in das bildnerische Werk des Künstlers und seine Gedankenwelt. Scullys leidenschaftliche abstrakte Malerei ist nicht loszulösen von seinem poetischen und philosophischen Nachdenken über große Fragen – Metaphysisches, die Natur des Menschen, Melancholie, Verlusterfahrungen, Sehnsucht und unsere Möglichkeiten, Spannungen wahrzunehmen, auszuhalten, zu versöhnen und produktiv zu machen.

 

Mit Arbeiten von den 1960er und 1970er Jahren bis heute wird deutlich, wie Scully die Abstraktion neu interpretiert: Statt sie als eine rein formale Auseinandersetzung mit Farbe, Form, Fläche, Struktur, Körper, Rhythmus und Licht im Bild oder aber lediglich als Reflex auf die Geschichte der Abstraktion zu sehen, versteht er die Abstraktion als ein Medium. Dessen strukturiertes Repertoire an Ausdrucksmitteln lässt sich sowohl an äußere, landschaftliche oder topographische, als auch an innere, seelische Stimmungen, an grundsätzliche existenzielle Erfahrungen und Alltagswahrnehmungen, an literarische Einflüsse und Körpererfahrungen zurückbinden.

 

2019 wird die Ausstellung im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster zu sehen sein.

 

 

 

Sean Scully: The Bather, 1983
© Sean Scully

Sehen Denken Träumen

Französische Zeichnung aus der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe

29. September 2018 – 13. Januar 2019

 

Sehen, denken, träumen – dazu inspirieren rund 160 Zeichnungen französischer Künstler aus dem Kupferstichkabinett der Kunsthalle, die erstmalig in dieser Zusammenstellung präsentiert werden. Mit Werken von Claude Lorrain (um 1600–1682) über Jean-Honoré Fragonard (1732–1806) bis hin zu Edgar Degas (1834–1917) bildet die Sammlung ein vielfältiges und qualitätsvolles Ensemble französischer Zeichenkunst vom 17. bis zum beginnenden 20. Jahrhundert. Dabei sind nicht nur Werke zeichnender Maler zu entdecken, sondern auch Blätter von Architekten, Bildhauern und Illustratoren.

 

Während die früheste Zeichnung von Jean Decourt ein Porträt des französischen Königs Heinrich III in minutiöser Kreidetechnik zeigt, handelt es sich bei Blättern von Charles Le Brun und Claude Lorrain aus dem 17. Jahrhundert um zeichnerische Vorarbeiten zu Historienmalereien. Werke von Antoine Watteau, François Boucher und Jean-Honoré Fragonard spiegeln die neue Bedeutung der Zeichenkunst im Rokoko und sind sprechende Beispiele eines virtuosen und experimentellen Umgangs mit der Linie. Das „Denken auf Papier“ formt sich in den frei komponierten Motivzusammenstellungen in Zeichnungen von Théodore Géricault und Eugène Delacroix, während Blätter von Camille Corot, Théodore Rousseau oder Jean-François Millet die Bedeutung der Landschaftskunst im 19. Jahrhundert veranschaulichen. 

 

Eine neue Subjektivität zeigt sich schließlich in den höchst originären Werken von Edgar Degas und Paul Cézanne. Sie führt zum Symbolismus von Odilon Redon und Paul Gauguin, in dem das Traumhafte und Unbewusste neue Bedeutung erlangt.

Edgar Degas: Junge Tänzerin im Gegenlicht, um 1878 © Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Hans Baldung Grien

Große Landesausstellung Baden-Württemberg
30. November 2019 – 8. März 2020

 

Er war einer der eigenwilligsten Künstler des 16. Jahrhunderts: Hans Baldung, genannt Grien (1484/85 – 1545). Als origineller Interpret traditioneller und Erfinder neuer Bildthemen schuf Baldung intime Andachtsbilder und imposante Altarwerke, sinnliche Allegorien und Aktdarstellungen, drastische Hexenszenen, humanistische Denkbilder und markante Porträts. Den tiefgreifenden Umwälzungen seines Zeitalters setzte er ein höchst individuelles, oftmals exzentrisches und stets faszinierendes Werk entgegen, das neben koloristisch ausdrucksstarken Tafelgemälden virtuose Zeichnungen und kraftvolle Holzschnitte umfasst.

 

Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe würdigt mit der Großen Landesausstellung Baden-Württemberg das einer breiten Öffentlichkeit wenig bekannte Œuvre dieses außergewöhnlichen Renaissance-Künstlers. Nach der ersten und bislang einzigen Retrospektive seines Schaffens, die 1959 ebenfalls in der Karlsruher Kunsthalle gezeigt wurde, wird 60 Jahre später Baldung im Lichte aktueller Forschungsfragen neu entdeckt und neu bewertet.

 

In der Zusammenführung der bedeutenden Karlsruher Bestände mit hochkarätigen internationalen Leihgaben soll das Werk des Künstlers so vollständig wie möglich präsentiert werden.

Hans Baldung Grien: Adam und Eva, 1531
© Museo Thyssen-Bornemisza Madrid